Im Allgemeinen sind Escape Rooms eine beliebte Freizeitaktivität, bei der es darum geht, durch das Lösen kleiner Rätsel ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Man kann sich das Ganze so vorstellen, dass es immer eine Storyline, also eine Bezugsgeschichte, gibt, in die man sich hineinversetzt. Es wird auf Zeit gespielt, und oftmals muss ein bestimmter Gegenstand gefunden werden, damit die Geschichte ein gutes Ende nimmt oder man dem Raum entkommen kann. Dass Escape Rooms auch einen historischen Bezug haben können, durften die Jahrgangsstufe 10 sowie der Q1-GK Geschichte am 21. und 22. Januar 2026 erleben.
Für eine neue Perspektive und zur Veranschaulichung von Lerninhalten war ein mobiler Escape Room zu Besuch an unserer Schule. In einem Klassenzimmer wurden dafür alle notwendigen Requisiten aufgebaut, sodass nichts mehr an Schule erinnerte. Das Ziel war es, spielerisch Einblicke in eine vergangene Zeit zu gewinnen und Eindrücke der damaligen Situation zu sammeln. Das grundlegende Thema des Escape Rooms war in diesem Fall „der Widerstand der Bevölkerung gegen die Nationalsozialisten“.
Wir befinden uns im Jahr 1941, als der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen in einer seiner Predigten die Vergehen der Nationalsozialisten offenlegte. Er ging dabei besonders auf das strategische und unwürdige Töten der Menschen ein, die damals nicht in das Bild der sogenannten „arischen Rasse“ passten. Von diesen Verbrechen waren vor allem Juden, Homosexuelle sowie körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen betroffen. Der Bischof galt damals als große Autorität, was dazu führte, dass die Besucher der Messe seinen Aussagen Glauben schenkten. Von der Wahrheit verstört erkannten die Menschen, dass es so nicht weitergehen konnte.
So auch der Pfadfinderleiter Karl, der nach der Predigt Flugblätter druckte, auf denen Galens Äußerungen abgebildet waren. Doch aufgrund dessen wurde er von der Gestapo, der geheimen Staatspolizei, verfolgt. Als seine Pfadfindergruppe war es nun unsere Aufgabe, die Flugblätter in seinem Zimmer zu finden.
Zunächst wurde uns der oben genannte geschichtliche Kontext erklärt, bevor man uns in den Raum schickte. Hinter einem Bild waren dort die Flugblätter in einem Tresor versteckt. Unsere Aufgabe war es, den Schlüssel für diesen Tresor zu finden. Von der Reparatur eines Telefons über das Durchsuchen aller Regale und Schränke bis hin zum Entziffern verschiedener Codes für Zahlenschlösser kamen immer mehr Hinweise zusammen, um die Schlosskombination für die Kiste mit dem Tresorschlüssel herauszufinden. Gelegentlich eintretende Geräuscheffekte, wie zum Beispiel das Dröhnen von Kampfflugzeugen, sorgten für ein besonders realitätsnahes Erlebnis.
Neben Spiel und Spaß standen ganz klar der Bildungseffekt und die Teamfähigkeit im Vordergrund. Zu erleben, wie die Menschen damals lebten und handeln mussten, hatte eine ganz andere Wirkung, als sich dies nur theoretisch vorzustellen.
Nach dem Lösen der Aufgabe kamen wir als Gruppe noch einmal zusammen, um die neu gewonnenen Erfahrungen zu reflektieren. Zunächst beschäftigten wir uns mit tiefergehenden geschichtlichen Hintergründen zum Widerstand des Bischofs und späteren Kardinals von Galen, bevor zum Schluss eine Diskussion entstand. Diskussionsfragen waren zum Beispiel: Wie hätten wir gehandelt? Hätten wir die Flugblätter verteilt oder verbrannt? Wie hat sich die Situation für uns angefühlt? Wie hat sie auf uns gewirkt? Und wie sieht die Welt heute im Vergleich zu damals aus? So hatten wir die Möglichkeit, unser eigenes Empfinden noch einmal zu reflektieren.
Insgesamt war der Besuch des Escape Rooms eine Erfahrung, die neue Perspektiven im Hinblick auf das Verständnis der damaligen Umstände eröffnete. Uns wurde ein realitätsnahes Ereignis geboten, das sowohl ansprechend gestaltet als auch informativ und bildungsfördernd war. In diesem Sinne bedanken wir uns herzlich bei den Veranstaltern dieses Escape Rooms für den Besuch an unserer Schule.
Matteo Jeckel (Q1)






