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30.08.17 13:10 Alter: 82 Tage

Föckinghausen : COMPUTER-CAMP

Computer-Camp: In Föckinghausen entsteht ein Zombie-Shooter


Foto: Stefan Meinhardt

Der pädagogische Leiter Felix Nattermann (Mitte) sieht sich den Programmier-Code von zwei Nachwuchs-Programmierern an.

Der pädagogische Leiter Felix Nattermann (Mitte) sieht sich den Programmier-Code von zwei Nachwuchs-Programmierern an.

Foto: Stefan Meinhardt

Quelle: WR Meschede 05.08.2017 

Stefan Meinhardt

FÖCKINGHAUSEN.   Beim Computer-Camp in Bestwig-Föckinghausen entwickeln Kinder einen Zombie-Shooter. Doch das ist noch längst nicht alles.

Frederic ist konzentriert. Immer wieder huschen seine Augen über die Zeilen auf dem Bildschirm vor ihm. Fehlersuche - ein zentrales Element im Alltag eines Programmierers. Der Zwölfjährige ist Teilnehmer beim Computer-Camp im Schullandheim in Föckinghausen, ein Ferienprogramm für Kinder und angehende Informatiker zwischen 10 und 18 Jahren.

Frederics aktuelles Projekt ist ein Programm zur Verschlüsselung von Texten. Klingt kompliziert und modern, aber „so ähnlich hat Caeser es auch schon gemacht“, sagt der Nachwuchsprogrammierer. Das Alphabet des eigentlichen und des Code-Buchstabens wird um ein paar Stellen verschoben. Das heißt, A wird zu C, B wird zu D und so weiter.

 „Ich werde es mir noch ein paar mal durchlesen“, sagt Frederic mit Blick auf seinen Programmier-Code. Der Zwölfjährige aus St. Tönis bei Krefeld ist schon fast ein alter Hase im Ferienlager: „Ich war letztes Jahr schon hier, da hat es mir gefallen. Mir gefällt, dass man die Mischung hat zwischen EDV und Freizeit.“ Für Probleme, sowohl beim Programmieren als auch beim sonstigen Camp-Aufenthalt, stehen jederzeit erfahrene Informatiker und Pädagogen zur Seite.

Es wird auch draußen gespielt

Felix Nattermann ist pädagogischer Leiter des Camps. Der 38-Jährige ist dafür zuständig, die 60 Kinder und Jugendlichen auch abseits der Computer bei Laune zu halten. „Die Rechner werden nicht für die Freizeit genutzt“, sagt er. Stattdessen organisieren Nattermann und sein Betreuer-Team zum Beispiel Bastelwettbewerbe und abendliche Gruppenspiele. Bei gutem Wetter toben die Kinder auf dem kleinen Sportplatz des Schullandheims. An einem Abend waren die Räume für ein Casino-Event umgestaltet, die Jugendlichen erschienen im Hemd. „Das war eine sehr schöne, vornehme Stimmung“, erzählt Nattermann. „Die Kinder haben sich teilweise sogar gesiezt.“

„Wir spielen auch ein wenig mit dem Nerd-Klischee“

Unter den 60 Teilnehmern sind zum Zeitpunkt unseres Besuchs auch drei Mädchen. Die 13-jährige Selina aus Berlin ist eine von ihnen. „Ich finde es schön hier, weil Berlin ist schon sehr groß“, sagt sie und fügt im Scherz hinzu: „Es ist praktisch, dass wir nur drei Mädchen sind. So hat jede ihr eigenes Waschbecken.“

Die Teilnehmer des Camps wechseln wöchentlich, fünf Wochen lang ist Föckinghausen der Anlaufpunkt für junge Informatiker. „Wir verdreifachen in der Zeit die Einwohnerzahl von Föckinghausen“, sagt Leiter Nattermann.

„Natürlich haben wir eine besondere Zielgruppe“, erklärt Nattermann. „In der Schule sind die diejenigen die Helden, die gut Fußball spielen können. Dafür gibt es dauernd Anerkennung. Hier duellieren sich die Kinder zum Beispiel darin, wer am meisten Pi-Stellen aufsagen kann. Wir spielen auch ein wenig mit dem Nerd-Klischee.“

In einem anderen Raum ist Teamarbeit gefragt. Hier programmiert eine Fortgeschrittenen-Gruppe ein Computerspiel. Tim und sein Team arbeiten an einem Zombie-Shooter. Eine Spielfigur wird durch einen dreidimensionalen Raum gesteuert und soll einen Gegner mit seiner Waffe niederstrecken können - oder im schlechten Fall selbst getötet werden.

Einer der Jungs kümmert sich um die Gestaltung der Umgebung, ein anderer um die Bewegung der Figur, der dritte modelliert gerade in Detailarbeit eine Waffe. Beim 15-jährigen Tim laufen alle Arbeitsergebnisse zusammen. Für jede Spielaktion gibt es ein eigenes kleines Programm, das aufgerufen wird, sobald eine bestimme Bedingung eintritt. Zum Beispiel: Drückt der Spieler eine Taste, soll sich die Figur nach vorne bewegen.

„Ich komme wieder bis ich 18 bin“

Tim erläutert diese kleinschrittige Arbeitsweise: „Es braucht so deutlich länger, ist aber übersichtlicher.“ Statt an einem riesigen Programmier-Code, arbeitet die Gruppe in kleinen Päckchen, die miteinander verknüpft werden.

Der 15-jährige Bochumer ist schon zum dritten Mal im Computer-Camp und er möchte wiederkommen: „Auf jeden Fall bis ich 18 bin“, sagt er.

Spieleentwickler auch in anderen Branchen gefragt

Die Computerspiele-Branche wächst seit Jahren. Linda Breitlauch, stellvertretende Vorstandsvorsitzende vom Bundesverband der deutschen Game-Branche, sagt: „In Deutschland haben wir sogar einen Fachkräftemangel. Im Gegensatz zum Film, bekommen wir allerdings kaum Förderung.“ Sie schätzt, dass es bundesweit jährlich etwa 500 bis 600 Absolventen im Game-Design gibt. „Einige wechseln nach der Ausbildung den Job, weil Spieleentwickler sehr gefragt sind. Sie bringen Fähigkeiten mit, die auch für Autohersteller und Architekten interessant sind.“

Gedanken über jeden Schritt

Der Bereich Game-Design spielt auch im Computer-Camp eine Rolle. Jaqueline Hansen betreut hier die 3D-Spieleentwickler. Die 23-Jährige macht an der Designschule Schwerin eine Ausbildung zur Game-Designerin. „Die Kinder müssen sich über alles und jeden Schritt Gedanken machen“, sagt sie. Der Aufbau eines Computerspiels sei ein komplexes Unterfangen. Für die Entwickler gehe es auch um Grundsätzliches wie Schwerkraft, Laufverhalten oder den Schatten von Grashalmen.

Im Kurs von Jacqueline Hansen arbeiten die Jugendlichen mit dem Entwicklungs-Programmen Unity und Unreal. Der Vorteil ist, dass diese Werkzeuge bereits einige praktische Elemente und Funktionen (wie zum Beispiel das Bewegen einer Figur) von Haus aus mitbringen. Für extravagante Ideen stehen den Entwicklern im Kurs die 3D-Programme Maya und Blender zur Verfügung. Damit modellieren sie Gegenstände, die im Spiel aufgesammelt oder benutzt werden können.

Kursleiterin Hansen ist begeistert von ihrer Gruppe: „Es ist schön zu sehen, wie die Kinder darin aufgehen“, sagt sie. „Ich unterstütze jede kreative Idee“. Nicht immer muss sie selbst eingreifen, manchmal bringen sich die Teilnehmer auch selbst kleine Kniffe bei. Im Internet gibt es haufenweise Videos mit Anleitungen und Lösungsvorschläge für Probleme, vor denen schon erfahrenere Entwickler standen.

Auf der Internetseite des Camps finden Sie weitere Informationen.