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20.12.19 07:58 Alter: 239 Tage

Unterrichtsreihe "Erziehung in der NS-Zeit"


Am 03.12.2019 besuchte uns Herr Dr. Hans Küsel im Unterricht des Erziehungswissenschaft-Leistungskurses.


Anlass war das Unterrichtsthema „Erziehung in der NS-Zeit“. Herr Küsel ist 92 Jahre alt und war in jungen Jahren Mitglied bei den Pimpfen/ beim Deutschen Jungvolk – dem Teil der Hitlerjugend für die Zehn- bis
Vierzehnjährigen. Damals lebte er in Berlin und entschlüpfte gewissermaßen dem System, als er mit fünfzehn Jahren mit seiner Familien nach München umzog und sich dort nicht erneut „zum Dienst“ bei der HJ meldete.


Er hält seit langer Zeit Vorträge in Schulen o. Ä., um vor allem Jugendlichen die Erziehungs- und Indoktrinationsmethoden in der Hitlerjugend näher zu bringen und sie für diese Thematik zu sensibilisieren.
Zunächst gab Herr Küsel unserem Kurs einen gesamtgeschichtlichen Einblick, der den meisten zwar nicht neu war, doch vor allem die andere Perspektive eines Zeitzeugen ermöglichte uns so noch einmal eine neue
Sichtweise.


Der Fokus des Vortrags lag auf dem Liedgut der NS-Zeit, das, wie Herr Küsel betonte, sehr stark zur Beeinflussung der Kinder und Jugendlichen damals beigetragen habe. Gesungen wurden aber nicht nur typische, der NS-Ideologie entsprechende Lieder, sondern auch Pfadfinder- oder Kirchenlieder, die zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls beitrugen.


Desweiteren erzählte Herr Küsel uns von den Aktivitäten, denen die Kinder und Jugendlichen bei den wöchentlichen Treffen nachgingen. Die militärische Ausbildung stand dabei im Vordergrund, sodass viele
„Leibesübungen“ gemacht wurden und er schon damals lernte, Karten zu lesen und wie beispielsweise ein Gewehr aufgebaut war.


Er berichtete auch von seiner Zeit als Flak-Helfer (Flugabwehrkanone). Den Dienst trat er bereits mit siebzehn Jahren an, was uns beeindruckte, da die meisten von uns in einem ähnlichen Alter sind. Abschließend warnte Herr Küsel vor den Gefahren jeglicher Ideologien und Übertreibungen. Als Beispiel führte er die extreme Mediennutzung heutzutage an.


Insgesamt empfanden wir den Besuch als sehr gewinnbringend. Durch die vorherige Behandlung im Unterricht war die Thematik für uns theoretisch vertraut, sodass wir mit Herrn Küsels Wissen und Erfahrungen als Zeitzeuge noch einmal eine andere, vor allem auch viel persönlichere Sichtweise gewinnen konnten.

Mascha Wöstmann, Q2